Das NetzDG ist eine Notlösung

Gestern fand in der Kunsthochschule für Medien in Köln eine Diskussion zum NetzDG statt.

Dabei wurde mir folgendes klar: das NetzDG kommt deswegen, weil eigentlich alle Anonymität im Internet befürworten. Wenn jedoch anonym gepostet werden kann, sind die bisherigen Strafvorschriften (im StGB) nutzlos, da niemand persönlich für das, was er postet, verantwortlich gemacht werden kann. Deswegen versucht jetzt eben das BMJV, die Verantwortung auf die Plattformen (z.B. Facebook) abzuschieben.

Meiner Meinung nach ist das verfehlt. Entweder die Anonymität im Internet wird abgeschafft, dann müssen z.B. Facebook und YouTube die Identität derjenigen, die dort etwas veröffentlichen, nachweisen, und wer sich belästigt fühlt, könnte direkt gegen den Autor vorgehen. Das wäre meine bevorzugte Lösung – mit der ich aber offensichtlich absolut eine Minderheitenmeinung vertrete.

Es gibt ein aktuelles Buch von Timothy Garton Ash, dem britischen Historiker, der u.a. vor wenigen Wochen den Karlspreis in Aachen erhalten hat, mit dem Titel „Free Speech“.

Dort steht etwas vom Ersten Amendment der Amerikanischen Verfassung, die die freie Meinungsäußerung garantiert. Da steht was von Artikel 19 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UN (International Covenant on Civil and Political Rights), die ebenfalls freie Meinungsäußerung garantiert. Dann ist da noch Artikel 10 der Europäischen Konvention für Menschenrechte des Europarats „Jeder hat das Recht auf freie Meinungsäußerung“.

Nirgendwo steht, daß man das Recht auf anonyme freie Meinungsäußerung hat. Im Internet weiß niemand, ob Du ein Hund bist, wenn Du Dich anonym äußerst. Und Hunde habe kein Recht auf freie Meinungsäußerung. Das ist ein Menschen-, kein Hunderecht.

Oder aber die Plattformen müssen andere Wege finden, statt zu löschen auf Druck der Regierung. Dann aber muß es Beiräte geben, die das innerhalb der Unternehmen durchsetzen. Vergleichbar einem Rundfunkbeirat, wie es ihn z.B. bei ARD und ZDF gibt, muß es dann eben auch einen öffentlich besetzten Beirat bei Facebook, Twitter und YouTube geben.

Seine Wohnung mit anderen teilen

Seit etwa drei Monaten habe ich keinen Besucher mehr über Wimdu gehabt. Jetzt im März kommen mal wieder welche über Homestay und über Flipkey, aber eigentlich kommen mittlerweile fast alle meine Besucher über Airbnb. Dort allerdings viel und stetig; diese und nächste Woche habe ich insgesamt sechs Buchungen, was für Januar richtig viel ist.

Wimdu Doppelzimmer

Der Homesharingmarkt scheint sich zu konsolidieren, auf deutsch, alles scheint auf ein Monopol von Airbnb hinauszulaufen. Nun finde ich Monopole nicht grundsätzlich gut.

Zu allem Überfluß lese ich gerade auch noch, daß Wimdu von 9flats und dann von Novasol übernommen wurde; dort geht also wohl gerade alles drunter und drüber.

What’s in a name?

In most countries, Yahoo! was a stupid name for what tried to be a serious company. Whatever Marissa Mayer did right or wrong, not changing that name to something less American was the most serious mistake to make.

Marissa Mayer

This had been going on for years. Yahoo! was simply the best, most professionally managed and most trustworthy internet service you could imagine. However, the silly sounding name destroyed it all.

Tagebuch eines Pfarrers

Der Titel dieses Blogs ist entlehnt dem Tagebuch eines Pfarrers von Hans Spiegl aus Österreich. Normalerweise haben meine Beiträge mehr mit meinem eigenen Leben zu tun, und ich bin nun mal kein Pfarrer, sondern Informatiker. Aber manchmal sind die Grenzen zwischen den beiden Berufen fließend. Das hier ist so ein Fall.

Variomedia Domainangebot
Nachdem ich nun schon seit über 10 Jahren Reseller von Domains bin, also Internetadressen (Domains) „beim Großhandel“ einkaufe und an Endkunden weiterverkaufe, ist es jetzt erstmals passiert: wie ich vor einer Woche erfuhr, ist einer meiner Kunden Anfang des Jahres überraschend verstorben.

Da der Kunde ganz in meiner Nähe wohnte, ging ich am Freitag abend dort vorbei, um die fällige Rechnung in den Briefkasten zu werfen und die Briefmarke zu sparen. Doch der Briefkasten war innen im Treppenhaus, und auf mein Läuten machte der Kunde nicht auf. Also klingelte ich bei der Nachbarin, damit sie mich zur Briefkastenanlage reinläßt und ich die Rechnung dort einwerfen kann. Doch der Briefkasten war zugeklebt und mit der Aufschrift „verstorben“ versehen.

Ich war schockiert. Doch schnell kam ich ins Gespräch mit der Nachbarin, und ich sagte zunächst nur, daß ich einen Brief habe, der eigentlich in eben diesen zugeklebten Briefkasten sollte. Das war nun keine besonders spannende Information, doch die Nachbarin war dennoch nett zu mir und wir redeten noch etwas an der Türschwelle weiter.

Bald stellte sich heraus, daß sie Mitglied der Nathanaelgemeinde ist. Dort bin ich Presbyter und Finanzkirchmeister, sagte ich, und das waren für sie wohl Schlüsselworte. Einen Briefträger hätte sie an dieser Stelle wohl weggeschickt, doch als Mitglied des Presbyteriums war ich offensichtlich auf einer anderen sozialen Stufe. Sie bat mich, einen immerhin wildfremden Menschen, kurzerhand in ihre Wohnung.

Im Verlauf des Gesprächs wurde klar, daß mein Kunde keines natürlichen Todes gestorben war. Er hatte wohl im Januar seine Mutter verloren, außerdem war er, wie ich wußte, seit zwei Jahren geschieden und hatte große Sorgen um sein behindertes Kind. Er hatte versucht, eine neue Freundin zu finden, und gleichzeitig beruflich „auf den Beinen zu bleiben“, doch im Alter von 61 Jahren hatte ihn die Gesamtsituation wohl überfordert.

Im Lauf der Zeit wandelte sich meine Rolle, auf dem Sofa dieser fremden Frau, immer mehr von der eines „Briefträgers“ zu der eines Seelsorgers. Ich erfuhr immer mehr, nicht nur aus dem Leben meines verstorbenen Kunden, sondern auch aus der variantenreichen Vergangenheit meiner Gesprächspartnerin selbst. Auch sie war wohl, einige Monate nach dem Tod ihres Nachbarn, immer noch geschockt, und ich hatte das Gefühl, das Gespräch mit mir hat auch ihr geholfen, die Erlebnisse zu verarbeiten.

Deswegen heißt dieser Beitrag heute „Tagebuch eines Pfarrers“. Wie ich finde, zu Recht.

WhatsApp verschlüsselt die Kommunikation

Seit gestern ist es also wohl amtlich: die Chats bei WhatsApp werden in der Regel verschlüsselt.

whatsapp

Damit wird die Privatsphäre noch mehr betont, die staatliche Kontrolle ausgehöhlt und der Terrorismus unterstützt. Jeder kann jetzt auch mit WhatsApp, das nach eigenen Angaben von 1 Milliarde Menschen weltweit genutzt wird, sicher privat kommunizieren. Und das in einer Zeit, in der Terroranschläge weltweit zunehmen und staatliche Kontrolle dringend gebraucht wird, um die Welt für uns alle sicherer zu machen.

Ich warte noch ein paar Wochen ab, dann melde ich mich schweren Herzens von WhatsApp ab. Auch wenn es viele Kontakte gibt, die ich in den letzten Monaten fast ausschließlich über WhatsApp erreicht habe. Das ist schade. Aber einen solchen Dienst weiter zu nutzen, kann ich mit meinem Gewissen nicht verantworten.

Wohnung teilen

Seit 2 1/2 Jahren bin ich jetzt aktiver Teil der „Sharing Economy“. Ich teile meine Wohnung mit Gästen aus aller Welt. Meist ist es Simons Hochbett, manchmal aber auch mein eigenes Bett, in dem ich Fremde willkommen heiße. Wenn die Nachfrage sehr groß ist und ich nicht zu Hause bin, werden auch schon mal beide Zimmer gleichzeitig vermietet, und zu Messezeiten auch zusätzlich das Schlafsofa im Wohnzimmer. Dann hilft mir meist mein Freund Stefan, der die Gäste in meiner Abwesenheit in Empfang nimmt und auf die Zimmer verteilt. Wir sind nach über zwei Jahren schon ein ziemlich eingespieltes Team.

Das Geschäft brummt und noch kein Gast hat eine Axt mitgebracht. Wohnung teilen weiterlesen

Der Schlüssel zum Glück

Netzpolitik.org und der Chaos Computer Club, ein hochangesehenes Portal von Markus Beckedahl und die Trutzburg der deutschen Hackerszene, fordern heute einen Verschlüsselungszwang für alle. Es ist doch heute noch nicht der 1. April. Was soll denn das?

Ich habe vor einem Jahr meinen Paid-Account bei Web.de gekündigt, u.a. weil Mails dort nur noch verschlüsselt abgerufen werden können. Das tat nicht weh und hat Geld gespart, aber es ging mir auch ums Prinzip. Jeder Zwang zur Verschlüsselung sollte in die linksradikale Mottenkiste, da wo er hingehört.

Wer verschlüsseln will oder muß (z.B. Angela Merkel ihr Handy), soll das tun. Alles andere ist grober Unfug.

Cloaking