Africa Day 2017 Berlin

Ich fahre zum Africa Day am 6. Juli in Berlin.

Soeben erhielt ich eine Mail mit der Aufforderung, mich anzumelden, was bei mir einen gewissen Schreck verursachte – da ich mich schon vor Wochen angemeldet hatte. Aber ein kurzer Anruf in Hamburg brachte die Gewissheit, dass alles eine Richtigkeit hat – sie haben im Büro nur niemanden, der mit einer einfachen SQL-Funktion die bereits angemeldeten Teilnehmer bei einer Rundmail nicht noch ein zweites Mal einlädt.

Daraufhin habe ich mir die PDF zur Veranstaltung runtergeladen und wollte sie ausdrucken, aber der Ausdruck ist kaum lesbar. Das sind absolute IT-Laien, die Leute vom Afrikaverein. Sie haben keine Ahnung von EDV (gemäss dem Motto von Frau Merkel: „Das Internet ist für uns alle Neuland“), aber sie veranstalten einen Afrikatag mit dem Titel „Welchen Einfluss die Digitalisierung auf die Entwicklung in Afrika hat“.

Ich würde mal hoffen, Deutschland hat einen möglichst geringen Einfluss auf die digitale Entwicklung in Afrika – wenn die Afrikaner das von uns übernehmen, sehe ich schwarz.

WhatsApp darf nicht an Schulen eingesetzt werden

Wie Lars Sobiraj in seinem Blog berichtet, geht es im Jahresbericht 2016 der Berliner Datenschutzbeauftragten um den Einsatz einer WhatsApp-Gruppe an Berliner Schulen.

Ein Klassenlehrer eröffnete die Gruppe mit den Handynummern aller Schülerinnen und Schüler. Die Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk kritisiert das.

Und was ist daran eine Nachricht? Soweit ich weiß, gibt es eigentlich in fast jeder Klasse in Deutschland eine solche WhatsApp-Gruppe.

Man kann das durchaus kritisch sehen. Aber dann soll Frau Smoltczyk auch sagen, welche Alternative es gibt.

Der Einsatz von sozialen Medien wie „WhatsApp“ zur dienstlichen Kommunikation von Lehrkräften mit Dritten (z. B. Schülerinnen und Schülern, Eltern) ist rechtswidrig, behauptet Maja Smoltczyk.

Das ist schön. Aber dennoch wird das halt überall gemacht, weil es praktisch ist.

Merke: nicht alles, was rechtswidrig ist, verschwindet.

Als Pfarrer in der Nathanaelkirche

Gestern hatte ich Dienst in unserer Kirchengemeinde. Normalerweise ist das nur ein Hilfsdienst, also Besucher begrüßen und verabschieden, und im Gottesdienst einen Text aus der Bibel und ein paar Abkündigungen lesen, und das war’s dann auch schon fast. Geld zählen noch und einen Kaffee trinken zum Schluß.

Nathanael

Gestern war alles anders. Der Pfarrer ist nicht erschienen, und, schlimmer noch, er war nicht nur krank, sondern hatte auch noch verschlafen, daher hatte er keinen Ersatz organisiert. Daher habe ich gestern – mit Hilfe einer Presbyterkollegin, ohne die ich das nicht geschafft hätte – den Gottesdienst fast alleine geschmissen. Also die ganze Liturgie durchgehen, alles komplett leiten, lesen, organisieren und den Segen sprechen. Es waren nur etwa 25 Besucher da, und viele davon haben uns danach dafür gelobt. Mangels Vorbereitungszeit und aufgrund diverser kleiner Pannen mußte die Predigt leider ausfallen, aber ansonsten haben wir das ganz gut über die Bühne gebracht.

sju frågor

1. Hur gammal känner du dig idag?
Jag känner mig 51 år idag.

2. Var vil du gärna vara nu?
Just här i detta rum.

3. Vilka godis tyckte du om när du var ung, och vilka tycker du om nuförtiden?
Ahlgrens bilar förr.
Men just nu har jag dåliga tänder och skulle inte längre äter godis.

4. Har du lärt dig något förra veckan?
I måndags mötte jag en vän some förklarade om hur Amazon kreditkortet fungerar.

5. Hur ser en perfekt dag ut för dig?
Att cykla med en vän, eller åka skidor på vintern.

6. Har du någonting kvar från tiden när du var liten?
Min leksakselefant som jag fick när jag var nio år.

7. Finns det människor som du beundrar?
Om någon säger „förlåt“ och menar det på allvar.

© Marina Pertsjonok, Schwedisch – Oberstufe, VHS Köln

Die Digitalisierung ist nicht mehr aufzuhalten

So schreibt es mir meine Bank heute:

Die Digitalisierung ist nicht mehr aufzuhalten. Viele Lebens- und Arbeitsbereiche sind davon betroffen. Bei aller Euphorie für die Gestaltung der Zukunft sollten Sie aber die Datensicherheit in Ihrem Unternehmen nicht vergessen. Cyberrisiken lauern an vielen Stellen. Neben technischen Schutzmaßnahmen ist auch der Abschluss einer Cyber-Versicherung zu empfehlen. Sie vervollständigt die klassische Betriebshaftpflichtversicherung. Hier erfahren Sie mehr.

Und so würde ich den gleichen Sachverhalt formulieren:

Das analoge Zeitalter ist vorbei. Die Digitalisierung ermöglicht einen Zugewinn an Produktivität und Lebensfreude. Privat und im Beruf können wir schneller und produktiver leben und langweilige Routinearbeiten abschaffen. Um dabei die Datensicherheit nicht zu vergessen, sollten technische Schutzmaßnahmen und auch eine Versicherung in Erwägung gezogen werden. Das ermöglicht Ihnen, die Chancen der Digitalisierung beherzter anzugehen und davon unbesorgt zu profitieren. Hier erfahren Sie mehr.

Erkennen Sie den Unterschied? Für meine Bank ist das Internet wohl vor allem Neuland und Risiko. Das macht mich alles irgendwie traurig.

Die Buchpreisbindung

Es ist eine heilige Kuh in Deutschland: die Buchpreisbindung. Natürlich bin auch ich ein verständiger Bürger, der deren Sinn völlig einsieht. Die SPD hat übrigens neulich sogar durchgesetzt, daß die Buchpreisbindung jetzt auch für eBooks gilt: ein Wahnsinn in der globalisierten Welt. Aber wir alle wollen ja, daß kleine Buchhandlungen erhalten bleiben, daß es keinen ruinösen Wettbewerb gibt, daß das „Kulturgut Buch“ damit gefördert wird.

Nur: es gibt immer mehr Wertgutscheine, und die kann man dann eben in Online-Buchhandlungen einlösen. Ich habe das auch gerade gemacht. Und dabei richtig viel Geld gespart. Das eigene Hemd ist uns eben doch näher als der Rock?

beckwith

Ich reise, also bin ich

Im Mittelalter gab es im Katholizismus die seltsame Idee, daß fast jede Krankheit des Geistes oder des Körpers geheilt werden kann, wenn man eine lange Reise unternimmt, um ein Körperteil eines lange verstorbenen Heiligen zu berühren. Die Kirche hatte ein Verzeichnis von Pilgerzielen zur Hand, das für jedes Problem eine Lösung bot. Zum Beispiel gab es für Mütter, die Probleme beim Stillen hatten, allein in Frankreich 46 Pilgerziele zu Klöstern der Heiligen Brustmilch der Maria. („Wenn die heilige Jungfrau Maria eine Kuh gewesen wäre“, bemerkte im 16. Jahrhundert der Protestant Johannes Calvin, nicht gerade freundlich, „wäre sie kaum in der Lage gewesen, diese Mengen an Milch zu produzieren“).

Gläubigen, die eine schmerzhaften Backenzahn hatten, wurde empfohlen, nach Rom in die Basilika San Lorenzo zu fahren, wo sie die Armknochen der Heiligen Apollonia, der Schutzheiligen der Zähne, berührten, oder sie konnten Teile von deren Gebiß in der Jesuitenkirche in Antwerpen finden, oder ihre Zehen an verschiedenen Orten in der Umgebung von Köln. Frauen, die unglücklich verheiratet waren, wurde empfohlen, nach Umbrien zu reisen, um den Schrein der Heiligen Rita von Cascia, der Schutzheiligen der Eheprobleme (und der verlorenen Gerichtsverfahren) zu berühren, und Menschen, die Angst vor Blitzen hatten, erhielten Erleichterung, indem sie zur Jesuitenkirche in Bad Münstereifel fuhren, und mit ihren Händen die Überbleibsel des Heiligen Donatus berührten, welcher dem Glauben nach Hilfe bei Feuer und jeder Art von Explosionen gewährte.

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Obwohl heutzutage die meisten Menschen nicht mehr an die göttliche Kraft von Reisen glauben, um Zahnschmerzen oder Gallensteine zu heilen, sind wir immer noch davon überzeugt, daß manche Orte auf der Welt eine Kraft besitzen, psychische Leiden zu lindern und eine Veränderung zu bewirken, die nicht möglich wäre, wenn wir einfach im Bett liegen blieben. Es gibt Orte, die, aufgrund Ihrer einsamen Lage, ihrer Größe, des Klimas, das dort herrscht, der chaotischen Energie, bezaubernder Melancholie oder nur aufgrund der Tatsache, daß sie anders sind als unsere Heimat, die Kraft haben können, Verletzungen, die in uns sind, zu heilen.

Vielleicht stimmen wir mit dieser Aussage im Allgemeinen überein, aber es gibt trotzdem immer noch keine Tradition, Reisen unter dem rein therapeutischen Gesichtspunkt zu sehen, und Landschaften daher danach einzuordnen, wie sie uns im Innersten helfen. Die Reisebüros und Reiseveranstalter sind uns hierbei überhaupt keine Hilfe, da sie die Welt nach materiellen Gesichtspunkten kategorisieren, die fast überhaupt nichts mit unseren innersten Bedürfnissen, oder, anders ausgedrückt, unserer Seele, zu tun haben. Es wird uns die Auswahl von „Abenteuerreisen“, „Familienurlaub“, „Kulturwochenenden“ oder „Inselferien“ geboten – aber es wird nicht gesagt, welchen Sinn diese Ziele haben, wenn man sie aus dem Blickwinkel unserer Psyche betrachtet.

Wir müssen uns klar werden, welche inneren Wünsche wir haben und was die Außenwelt dazu sichtbar beitragen könnte. In Zukunft wäre es sinnvoll, wenn wir bewußter reisen würden – indem wir uns klar sind, daß wir zum Beispiel Reiseziele suchen, die psychologische Bedürfnisse wie „Ruhe“ oder „Erweiterung des Horizonts“ befriedigen können. Ein Besuch etwa des Monument Valley in Utah, USA, hätte nicht nur zum Ziel, ein undefiniertes „Abenteuer“ zu erleben, etwas, was wir genießen und nach zwei Wochen langsam anfangen, zu vergessen; die Reise dorthin wäre eine Gelegenheit, der Entwicklung unserer Persönlichkeit eine grundsätzlich neue Richtung zu geben. Es wäre der Aufbruch, ein völlig anderer Mensch zu werden, eine sekuläre Pilgerfahrt, die uns 8.000 km weit führt und 5.000 € kostet, aber deren Mittelpunkt eine grundlegende Weiterentwicklung unserer selbst ist.

Derzeit gibt es noch keine Kataloge solcher Reiseziele, die wir zu Rate ziehen können.

Dieser Artikel von Alain de Botton erschien am 15. August 2015 in englischer Sprache in der Financial Times (London).