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Ethik Geschichte

Schmierfinken

Vor 100 Jahren wurden Arbeiter gezwungen, 6 Tage die Woche und 10 Stunden pro Tag zu arbeiten. Heute, im Jahr 2018, ist das zum Glück nicht mehr so. Aber anstatt sich darüber zu freuen, wird das Leid der Arbeiter von vor 100 Jahren jetzt instrumentalisiert, um die gesellschaftliche Rollenverteilung „Wir da oben, Ihr Schmierfinken da unten“ zu zementieren.

Schmierfinken
Hauswand in der Deutz-Mülheimer Straße in Köln

Wenn ich solche Sprüche lese, geht mir das Messer in der Tasche auf.

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Airbnb English

An Airbnb is not a Hotel

Do you believe something like this would happen in a hotel? I don’t think so.

Guests staying in big hotels steal silver spoons, or dressing gowns, but I don’t think they would write a note like this one, left behind by an Airbnb guest.

broken beer glass
broken beer glass

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Geschichte Jura Politik Transport & Verkehr

Aachen gibt die Richtung vor

Nach 74 Jahren ist es wieder einmal so weit: Aachen ist eine richtungsweisende Stadt.

Frühjahr 1945: Aachen wird als erste deutsche Stadt, durch amerikanische Truppen, von den Nationalsozialisten befreit.

Frühjahr 2019: Aachen wird als erste deutsche Stadt, durch Verwaltungsrichter, von Dieselabgasen befreit. Zumindest teilweise, und natürlich viel zu spät. Wenn die Stadtbahn gekommen wäre, hätte sich die Situation schneller verbessert. Aber besser spät als nie.

Aachen Fahrverbot
Aachen Fahrverbot

Herzlichen Glückwunsch, Aachen!

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Allgemein

DSGVO

.. Der Countdown zur Datenschutz-Grundverordnung läuft; ab 25. Mai sollte man folgende Regeln beachten:

Visitenkarten nur noch unter dem Tisch oder im Dunkeln entgegennehmen. Wer sich dennoch bei der Entgegennahme einer Visitenkarte erwischen lässt: sofort in kleine Stücke reißen und runterschlucken. Die Speicherung personenbezogener Daten im Magen fällt nach einhelliger Juristenmeinung nicht unter die DSGVO.

Bei der Entgegennahme eines Anrufs sofort auflegen, wenn der Gesprächspartner seinen Namen nennt. „Ich bins“ oder „Du weißt schon wer“ ist vermutlich erlaubt, ebenso Umschreibungen wie „Bärchen“ oder „Hasi“. Schriftliche Notizen über Namen, Nummern oder Termine konsequent vermeiden – einfach merken! Nach einhelliger Juristenmeinung fällt die Speicherung personenbezogener Daten im Kopf nicht unter die DSGVO.

Beim Fotografieren konsequent alle Motive meiden, auf denen Menschen zu sehen sind. Tierfotos sind auch schön und nach einhelliger juristischer Auffassung haben Tiere (noch) kein Recht auf Privatsphäre. Vorsicht Falle: Tiere vermeiden, die mit einem Menschen in Verbindung gebracht werden könnten, z.B. Nachbars Lumpi.

Eingehende Emails ungelesen automatisch weiterleiten an eine regierungsnahe Emailadresse, die garantiert nie gelesen wird, zum Beispiel info@bundeskanzleramt.de. Falls es wider Erwarten zur Öffnung kommen – kein Problem: Die Regierung ist die einzige Organisation, die über ein eigenes Justizministerium verfügt.

Die Alternative: Weitermachen wie bisher und akzeptieren, dass man ab 25. Mai 2018 ein Leben als Krimineller führt. 😎😂😜

Leben am Limit

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Allgemein

Parkplatz in der Innenstadt

Heute bin ich mal ausnahmsweise mit dem Auto zur Arbeit ins Hotel gefahren. Schon praktisch, daß es hier einen Privatparkplatz gibt. Auch, wenn der 95 % der Zeit leer steht. Und das mitten in der Kölner Innenstadt.

Parkplatz in der InnenstadtParkplatz in der Innenstadt

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Airbnb English Transport & Verkehr VWL

How to pay for your Airbnb stay

So I got this enquiry last night, from a prospective Airbnb guest. He is an American who has been living in China for some time. So all his payment options are Chinese, yet his Airbnb profile shows him as being from Chicago, USA.

Anyway, Airbnb doesn’t let Americans use Alipay for booking my room in Germany. According to what I found on the Airbnb web site, Alipay may only be used by Chinese guests booking a room in China. Or else if they are doing a booking with a Chinese IP address, but this guy tried to make the booking when he was already in Germany.

So this guy asks if he may pay cash on arrival. Sure, says I, and I give him the directions to my place, full address and everything, no telephone number. I don’t really understand why Airbnb doesn’t block this message, since we were clearly breaking the TOS by then.

My guest-to-be hops into a taxi at the airport – a 30 minute drive from my place. Since he hasn’t arrived 2 hours later, at 11 pm, I decide he isn’t going to come after all, open the window for some fresh air before going to sleep – and doing that, I see a taxi pull up outside.

So I put my clothes back on, go out to greet him – he is pretty tired, having come directly from China to Germany. He duly pays for his stay using his China Union Pay credit card on my iZettle reader, and goes off to bed.

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Internet Politik

Spahn will Gesundheitskarte abschaffen

Am gestrigen Dienstag steht im Kölner Stadtanzeiger im Wirtschaftsteil ein Artikel „Teures Vorzeigeprojekt scheitert. Spahn will Gesundheitskarte abschaffen“.

Spahn will Gesundheitskarte abschaffen

Ich habe noch selten einen Artikel gelesen, der so weit von der Realität entfernt ist. Als freiwillig bei der Techniker Krankenkasse (TK) Versicherter nehme ich seit vorgestern, Montag, 14. Mai 2018 am Betatest des Projekts „elektronische Gesundheitsakte“ teil. Die TK ermöglicht es mir, ohne Zusatzkosten sämtliche Arztbehandlungen, verschriebenen Medikamente etc. in der App auf meinem iPhone einzusehen. All diese Daten wurden – mit meiner Zustimmung – von der TK an die IBM übertragen, wo sie verschlüsselt aufbewahrt und jederzeit zum Abruf durch mich bereitstehen.

Die Grundlage für diesen Service ist natürlich eben diese Gesundheitskarte, die seit vielen Jahren bei jedem Arztbesuch eingelesen wird. Das System der „elektronischen Gesundheitsakte“ muß noch weiter optimiert werden; bisher kann ich außer dem Datum und dem Namen des besuchten Arztes bzw. des verschriebenen Medikaments noch nicht viel abrufen. Aber das ist ein erster, innovativer Schritt, der ohne die erfolgreich eingeführte Gesundheitskarte nie möglich geworden wäre. Sie ist daher eben nicht gescheitert, sondern ein voller Erfolg.

Die TK hat sich dazu entschlossen, dieses Pilotprojekt in Eigenregie einzuführen, da die Gesundheitsminister der letzten Jahre offensichtlich nicht in die Puschen kamen. Ich bin begeistert, welche innovativen IT-Projekte in Deutschland, die meiner Gesundheit dienen – trotz der Blockadehaltung der Minister Gröhe und Spahn – offensichtlich dennoch möglich sind.

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Allgemein

Einiges Europa

Das sind alles Affen. Ich war heute im Thalys-Büro am Kölner Hbf. Dort wurde mir gesagt, dass ich Thalys-Tickets nach Paris 4 Monate vor Reiseantritt buchen kann, TGV-Tickets aber erst 3 Monate vor Reiseantritt. Ich sollte aber frühzeitig buchen, um günstige Tickets zu bekommen. Also am 19. Juni das Ticket nach Paris buchen, und dann hoffen, dass ich am 19. Juli ein Ticket Paris – Barcelona bekomme?

Letzte Woche hat Emmanuel Macron in Aachen den Karlspreis bekommen für „europäische Völkerverständigung“. Gleichzeit machen die Bahnen in seinem eigenen Land europäische Reisen faktisch fast unmöglich. Das ist eine Schande, dass er das nicht gebacken kriegt. Statt mit Angela und Poroschenko in Aachen zu turteln, sollte er sich lieber in Paris um solche elementaren Fragen kümmern.

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Facebook Internet Webseiten

Passende Werbung bei Facebook

Das passiert, wenn man bei eBay und bei Facebook unterwegs ist. Man erhält Werbung, die angeblich zu seinen Interessen paßt.

Passende Werbung bei Facebook

Die Künstliche Intelligenz im Jahr 2018 muß noch einen weiten Weg gehen – so wird das nichts.

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English Ethik Transport & Verkehr

Ich fahre bei rot über Ampeln

Pilita Clark
Ich bin eine gesetzestreue Bürgerin, außer, wenn ich auf dem Fahrrad sitze.

Als diesen Monat in England endlich die Sonne anfing, zu scheinen, konnte ich es kaum erwarten, mein Fahrrad aus dem Keller zu holen, um damit täglich zur Arbeit zu fahren.

Sobald ich damit auf der Straße war, kam mir der altbekannte Gedanke wieder: die Fahrradfahrer in London sind furchterregend. Sie schlängeln sich an roten Ampeln vorbei. Sie fahren manchmal auf dem Bürgersteig. Sie fahren Einbahnstraßen in entgegengesetzer Richtung und über Zebrastreifen, bevor die Fußgänger die Gelegenheit haben, selbst den Zebrastreifen zu betreten.

Ich sage dieses voller Überzeugung, denn ich bin eine von ihnen. Die meisten dieser Sünden habe ich selbst schon begangen, und noch ein paar andere. Wenn Sie neulich am Morgen auf dem Wochenmarkt in Smithfield gewesen wären, wüßten Sie das.

Können Sie nicht lesen!", schrie eine Frau, während ich auf meinem Fahrrad auf einem kleinen Weg durch den Markt fuhr, hinter einigen anderen Fahrradfahrern, die vor mir den gleichen Weg radelten. Ich wandte meinen Blick auf den Boden, auf den sie zeigte, und nach langem Suchen fand ich schließlich zwei Wörter, die mit fast verblichener weißer Farbe auf den Boden gemalt waren: Fahrradfahren verboten".

Ich stieg von meinem Fahrrad ab und ging schuldbewußt langsam weiter, während ich das Fahrrad neben mir her schob. Ich habe allerdings nicht vor, mich in Zukunft an alle Regeln zu halten, wenn ich mich auf Londons Straßen vorwärtsbewege - nicht, solange sie sich so hoffnungslos gegen die Fahrradfahrer richten. Genauso sehe ich es auch, wenn ich in New York bin, oder in einer anderen großen Stadt, die Radfahrer vor die Wahl stellen, entweder zu überleben oder sich an alle Regeln zu halten.

Zu meiner Verteidigung muß ich sagen, daß ich mich absolut regelkonform verhalte, wenn ich auf den besten Abschnitten eines der Fahrradschnellwege bin, die in den letzten Jahren in einer Länge von insgesamt 65km durch ganz London gebaut wurden. Seit dem Jahr 2010 geschieht das, mit tollen Trennwänden aus Beton und besonderen Fahrradampeln. Das gilt auch für die 100km verkehrsberuhigten Straßen, die Radfahrer durch die Nebenstraßen der Stadt leiten.

Aber diese Nischen machen nur einen kleinen Teil der städtischen Straßen in London aus, und es ist ein Wunder, daß es sie überhaupt gibt, wenn man bedenkt, wie laut sich die Autofahrer über sie beschweren.

Die Stadt ist immer noch für Autos gemacht, obwohl diese nur 5% der 1,3 Millionen Menschen befördern, die jeden Morgen im Berufsverkehr in die Innenstadt fahren.

Daher mache ich, was nötig ist, um zu überleben.

Wenn ich eine gefährliche Spur schnell fließenden Verkehrs vermeiden kann, indem ich ein paar Meter auf einen leeren Bürgersteig ausweiche, dann mache ich das. Wenn ich eine rote Ampel überfahre, wenn offensichtlich kein anderer Verkehrsteilnehmer weit und breit in Sicht ist, dann mache ich das auch. (Diese Verhalten wurde übrigens vor ein paar Jahren in Städten wie z.B. Paris legalisiert). Und wenn ich jemals in der Nähe eines LKWs bin, kann ich für nichts mehr garantieren. Die offiziellen Statistiken besagen, daß LKWs in den letzten Jahren für 53% der tödlichen Unfälle mit Radfahrern verantwortlich waren, und für 18% der tödlichen Unfälle mit Fußgängern, obwohl LKWs nur 4% der gesamten Verkehrsleistung erbringen.

Ich sollte an dieser Stelle anfügen, daß ich, wie die meisten der mit dem Rad zur Arbeit fahrenden Menschen, die ich jeden Tag sehe, außergewöhnlich vorsichtig bin.

Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als ich als Autofahrerin selbst fast einen Radfahrer umgefahren habe, und deshalb trage ich eine scheußliche gelbe Jacke, und habe mein Fahrrad überall mit Reflektoren ausgestattet. Ich nähere mich den gefährlichen Kreuzungen wie eine junge Gazelle in der Nähe einer Löwenhöhle, immer darauf aus, nicht eine der 400 Radfahrer zu werden, die seit dem Jahr 2013 jedes Jahr in der Londoner Innenstadt getötet oder schwer verletzt werden.

Ich würde nie auf die Idee kommen, ein Fixie" zu fahren, also ein Fahrrad ohne Vorderbremse und ohne feste Gangschaltung, wie das Rad, das dieser Teenager gefahren hat, als er im Jahr 2016 in East London eine Frau überfahren und getötet hat.

Es gab verständlicherweise einen Aufschrei der Entrüstung bezüglich dieses tragischen Falles, und die Regierung möchte die Strafen für unverantwortliche Radfahrer erhöhen. Das ist in Ordnung. Aber ich wünschte mir, daß Autofahrer, die auf Fahrradwegen parken, ebenfalls härter bestraft werden, besonders diejenigen, die ihre Türen aufreißen und vorbeifahrende Fahrradfahrer dadurch verletzen. Denn es ist leider wahr, daß Radfahrer viel eher Opfer des Straßenverkehrs werden als ihre Unfallgegner.

In den 10 Jahren zwischen 2007 und 2016 waren 98,9% aller getöten Fußgänger in Großbritannien, die bei Zusammenstößen auf dem Gehweg oder am Straßenrand umkamen, die Folge einer Kollision mit einem motorisierten Fahrzeug, nicht mit einem Fahrrad. Es gab nicht einen einzigen Fußgänger, der von einem Radfahrer getötet wurde, der eine rote Ampel überfuhr.

Diese Zahlen würde man nicht vermuten, wenn man unseren Verkehrsminister Chris Grayling reden hört, der selbst kein Fahrradfahrer ist (und der selbst einmal einen Radfahrer verletzte, als er seine Autotür öffnete). Er denkt, daß einige Fahrradwege ein Problem für Straßenbenutzer sind, und hat sich Gedanken über Radfahrer gemacht, die Regeln übertreten.

Es wird im Laufe der Zeit sicher besser werden, wenn eine Generation fahrradfreundlichere Politiker an die Macht kommt. Ich lebe in der Hoffnung, daß es in Zukunft mehr Fahrradschnellwege geben wird, daß LKWs im Berufsverkehr verboten werden, und daß man als Radfahrer zukünftig legal eine rote Ampel überfahren darf, wenn keine Gefahr besteht.

Bis dahin werde ich, wenn es die Wahl gibt zwischen einer Befolgung der Regeln einerseits und am Leben zu bleiben andererseits, auf der falschen, aber vernünftigeren Seite des Gesetzes bleiben.

Schreiben Sie an die Autorin Pilita Clark

Quelle: Financial Times, Montag, 30. April 2018, Seite 12