Das Pariser Klimaabkommen

Dank Präsident Trump habe ich mich heute endlich mal ein wenig mit dem Pariser Klimaabkommen beschäftigt. Auf Wikipedia steht:

Am 5. Oktober 2016 ratifizierten die Europäische Union, Kanada und Nepal den Vertrag. Damit waren zu diesem Zeitpunkt 71 Staaten, die für rund 57 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, dem Abkommen beigetreten.

Wie kann die Europäische Union ein Abkommen ratifizieren? Ich dachte immer, Ratifizierung bedeutet, dass ein Parlament einen von einer Exekutive ausgehandelten Vertrag gutheisst? Das ist Demokratie! Und die EU hat nun mal kein Parlament, das diesen Namen verdient. Ich z.B. kenne den für Köln zuständigen, also von mir theoretisch gewählten, EU-Abgeordneten nicht, und das wird fast allen anderen Kölnern ebenso gehen. Weil dieser Abgeordnete, so es ihn denn geben sollte, faktisch nie öffentlich in Erscheinung tritt.

Fazit: bevor wir Präsident Trump kritisieren, sollten wir uns mal alle an der eigenen Nase fassen, und unsere demokratischen Hausaufgaben machen!

Autoteilen in Köln im Sommer 2016

Über neue Entwicklungen im CarSharing berichtete die Rhein-Schiene in der Ausgabe 54 vom Winter 2014/2015. Dabei wurde das klassische CarSharing (in Köln cambio, früher bekannt als StattAuto) dem neuen Free-Floating CarSharing (car2go, DriveNow) gegenübergestellt und Unterschiede in Preis, Nutzergruppen, individuellem Verhalten und Umweltauswirkungen herausgearbeitet.

Ich habe in den 18 Monaten seit Erscheinen der Rhein-Schiene 54 weiterhin alle drei CarSharing Anbieter genutzt, da ich als Großstadtbewohner natürlich kein eigenes Auto besitze, auf dessen Komfort aber dennoch manchmal nicht verzichten will.

Seit einiger Zeit bieten zwei der drei Anbieter (cambio und DriveNow) auch Elektrofahrzeuge an. Sie sind brandneu, bequem und nach einer kleinen Eingewöhnungsphase kaum anders zu fahren als andere Autos auch. Allerdings müssen die cambio-Autos natürlich nach wie vor nach jeder Ausleihe an die Station zurückgebracht und dort wieder mit dem Aufladekabel verbunden werden. Das ist relativ umständlich, denn man braucht nicht weniger als drei Medien: die cambio-Karte zum Starten der Miete, den Autoschlüssel zum Entsperren der Kabelverriegelung am Auto und dann noch die Ladestationskarte, um dort das Kabel ein- und auszustecken. Besonders ärgerlich ist, daß man auch nach einer kurzen Fahrt, wenn der Akku des Autos noch zu 99,5% voll ist, gezwungen wird, das Ladekabel bei der Rückgabe wieder anzuschließen, was einige Minuten in Anspruch nimmt und bei Regenwetter mitunter sehr unangenehm sein kann.

Im Unterschied dazu können die i3-BMWs von DriveNow, wie beim FreeFloating CarSharing üblich, stets an jedem Ort abgestellt werden. Ein Anschließen des Ladekabels ist nicht erforderlich. Der Nachteil ist dann natürlich, daß es schon ab und zu mal Herzklopfen verursacht, wenn man ein solches Elektroauto gebucht hat, dann einsteigt und merkt, daß der Akkustand nur noch 10% beträgt. Das reicht nur noch für etwa 10 km – schaffe ich es damit überhaupt zum Hauptbahnhof, oder bleibt das Auto unterwegs stehen und dann ist mein Zug weg?

Eine Besonderheit gibt es bei car2go: das Unternehmen war bisher zweigleisig gefahren und bot sowohl FreeFloating CarSharing mit den kleinen blau-weißen Smarts als auch stationsbasiertes CarSharing mit schwarzen B-Klasse Mercedes an. Ab Juni 2016 wird car2go letzteres nun aufgeben und die Mercedes Autos dem FreeFloating-System anschließen, so daß man dort dann, wie bisher schon bei DriveNow mit den BMWs und Minis, zwei verschiedene Fahrzeuggrößen zur Auswahl haben wird, die man (fast) überall in Köln abstellen kann.

Aus meiner Sicht hat car2go hier den Trend der Zeit erkannt. Das stationsbasierte CarSharing ist ein Auslaufmodell. Einwegfahrten mit dem CarSharing Auto sind praktischer, und auch ökologischer, da die Rückfahrt per Pkw oft entfällt und dadurch weniger Pkws durch Köln fahren. Auch müssen beim stationären CarSharing stets Parkplätze vorgehalten werden, die leerstehen, wenn das Auto ausgeliehen ist.

cambio

Dazu kommt, daß cambio (bis auf wenige Renault ZE Elektrofahrzeuge) nur Diesel-Pkw im Angebot hat, und deren Nutzung kann ich – in der Folge von Dieselgate – nicht mehr mit meinem Gewissen verantworten. Hoffen wir also, daß auch cambio als Pionier des CarSharing in Köln diesen Trend erkennt und ein innovatives, neues Autoverleihsystem entwickeln wird.


Nachtrag (11.07.2016): Bei cambio hat man diesen Artikel gelesen und fühlt sich nicht wohl mit der hier geäußerten Kritik.

cambio schreibt im kürzlich erschienenen Blogbeitrag:

CR: cambio hat dagegen feste Stellplätze, für die cambio auch an die Vermieter bezahlt. Wir mieten die Stellplätze an, damit unsere Nutzer nicht in die Verlegenheit kommen, zum Beispiel im Feierabendverkehr nach einem Parkplatz suchen zu müssen.

Und das ist genau der Unterschied. Bei cambio werden nur die Autos geteilt, nicht die Stellplätze. Letztere sind privat. Das hat mit „teilen“ nichts mehr zu tun, das ist Luxus und nicht sozial.

Free-Floating Carsharing führt hingegen dazu, daß sowohl die Autos als auch die Parkplätze von allen Menschen geteilt werden. Das ist egalitär und sozial. Deswegen gehört dem Free-Floating Carsharing die Zukunft!

Normen

Ich weiß nicht genau, was der Skandal ist, weil ich die Normen nicht kenne. Das einzige, was wir wissen, ist, daß aus einem VW Diesel mehr Dreck raus kommt, als offiziell raus kommt. Das ist jetzt ein Problem der Normen. Wie wird so ein Motor gemessen? Ich weiß es nicht. Sie wissen es wahrscheinlich auch nicht, es sei denn, Sie haben das studiert oder arbeiten bei VW, das ist alles irrsinnig kompliziert. Aber alle regen sich irrsinnig auf: Die haben das manipuliert.

Dazu eine kleine Geschichte. Ich habe eine Hassliebe-Beziehung zu Heizungen, die basiert auf meiner Zeit als Pfarrer in Bischofshofen im Pongau, bei Salzburg, wo es wirklich irrsinnige Probleme mit der Heizung gab. Ich habe also nicht weniger als drei Heizkessel verbraucht, bis wir uns letztendlich entschieden haben, wir schließen das Pfarrhaus und das Gemeindehaus an die Fernwärme an, weil da dauernd Luft eingedrungen ist und dann ist der Kessel von innen verrostet. Bei der Inbetriebnahme des letzten Heizkessels für Pfarrhaus und Betsaal war ich dabei, und das war spannend. Da steht also der Kessel da, dann kommt der Mann von der Brennerfirma – das ist nicht der Heizkesselmonteur, sondern jemand anderes. Dann steht der ehrbare Abgasmessungsmensch da, und dann wird der Kessel in Betrieb genommen. Der wird in Betrieb genommen und, Sie werdens nicht glauben, optimiert. Das heißt auf gut deutsch, der Brenner wird aufgedreht, bis zum geht nicht mehr, der arbeitet mit einer wahnwitzigen Brenntemperatur, hoher Abgastemperatur. Das heißt, was da hinten rauskommt, ist CO2.

Und das wird dann gemessen, und dann sagt der: „Die Abgastemperatur ist schon ein wenig hoch, aber Abgase haben Sie de facto nur im Bereich CO2 und Wasserdampf, das paßt, dürfen Sie in Betrieb nehmen, da kriegen Sie einen Stempel drauf“. Während der noch zusammenpackt, wird der von anderen sehr fähigen Menschen informiert, daß er jetzt den Brenner wieder runterdrehen kann, dorthin, daß wir möglichst wenig Erdgas verbrauchen. Das heißt, der fährt den Brenner runter, dreht da ganz viele Schrauben, das ist wirklich eine Kunst, das kann nur der Techniker. Damit wir an der untersten Heiztemperatur sind, so, wie wir das brauchen, damit die Heizung gerade noch funktioniert. In dem Moment sinkt natürlich die Brenntemperatur und die Abgastemperatur, wir hauen da jetzt Stickoxide raus, und ich hab keine Ahnung was noch, was aber völlig normal ist, daß man das einfach so macht. Wenn der Tester kommt, wird die Abgastemperatur ordentlich aufgedreht, also der Brenner, also das Brennergebläse. Weil die Normen halt so sind. Zum Zeitpunkt der Messung muß das und das eingehalten sein.

Jetzt nehm ich an, daß jeder, der einen Motor macht, sich die Testgeschichten anschaut, und für ein paar Minuten wird der Abgasstrom gemessen und so eingestellt, daß der Motor für ein paar Minuten Chanel No. 5 ausstößt. Das macht jeder auf der Welt. Jeder, der einen Motor macht, der einem Test unterliegt, wird das so machen, daß der Test bestanden wird. Da gibt es Firmen, die nichts anderes tun, als für den Zeitpunkt der Testung die Maschinen herrichten. Das macht jeder von Ihnen so, auf der ganzen Welt, das machen wir alle. Wir passen uns Normen an, damit wir am Tag des Tests, und nur an diesem Tag, diesen bestehen.

Das einzig Witzige – oder eigentlich gar nicht Witzige, weil unter Umständen viele Menschen bei VW den Arbeitsplatz verlieren könnten – ist, daß eigentlich keiner genau weiß, worum es geht. Es kann durchaus sein, daß VW auf die europäischen Normen hin optimiert hat, wie jede andere Firma auch, und die Amerikaner haben halt andere Normen. Das machen Staaten extrem gern, um Firmen, die nicht bei ihnen zu Hause sind, zu schädigen.

Die Frage ist, warum kommt das gerade jetzt hoch? Wer wurde eigentlich geschädigt? Denn, was haben Sie geglaubt? Daß aus einem Dieselmotor hinten Chanel No. 5 rauskommt oder reiner Sauerstoff? Nein. Das ist ein DIESELMOTOR. Da wird CO2 rauskommen, da wird Ruß rauskommen, weil es ein DIESELMOTOR ist. Also, was haben Sie sich vorgestellt?

Wie kommt es, daß gerade jetzt dieser Skandal hochkommt, wo uns normalerweise Abgaswerte doch völlig egal sind? Haben Sie auch nur die geringste Ahnung, was Ihr Auto für Abgaswerte hat? Nein. Man fährt irgendwo hin, in Österreich heißt das Pickerl, in Deutschland heißt das TÜV, und da mißt einer irgendwas, und dann bekommt man eine Bescheinigung, daß alles gut ist. Was genau das bedeutet, weiß ich nicht, und das wissen Sie auch nicht. Das heißt, wir sehen gerade wieder einen Skandal einer hysterisch werdenden Welt. Einer Welt, die pausenlos die Idee hat, daß wir eh gleich alle sterben, und kein Mensch sich damit beschäftigt, worum es wirklich geht. Es geht einfach nur um die Sensation.

Und das finde ich wirklich zutiefst traurig. Wir als Christen haben die Aufgabe, uns mit Menschen zu beschäftigen. Wir haben nicht die Aufgabe, einfach nur zu schimpfen: „Diese ganzen Schweine bei VW“. Die Techniker bei VW tun das, was alle Techniker auf der Welt tun: nach den Prüfnormen hin optimieren. Das macht jeder. Absolut jeder. Sie verputzen Ihr Haus neu, und damit übererfüllen Sie die EU Norm so-und-so um 60%. Was immer das heißt. Ich hab doch keine Ahnung, was die EU-Norm so-und-so bedeutet.

Wir brauchen auch nicht auf einen einhauen – und das ist das, was mir als Christ besonders auf die Nerven geht – der genau das tut, was alle anderen auch tun. Und schlußendlich, aber das wäre jetzt eine sehr komplizierte Frage, das ist die Frage der Normen. Es gibt so unendlich viele Normen auf dieser Welt. Das ist eigentlich etwas sehr Menschliches, denn wir haben alle Normen, und wer unsere Normen nicht erfüllt, den brauchen wir nicht. Das ist etwas sehr Menschliches, aber in Wirklichkeit ist das absolut unchristlich. Weil jeder von uns ganz, ganz viele Normen von anderen Menschen nicht erfüllt.

Einen gesegneten Abend uns allen.

Von Hans Spiegl, Evangelischer Pfarrer aus Mistelbach / Österreich
22. September 2015
bearbeitet und gekürzt

Das teure Schlamassel der deutschen Energiepolitik

Merkels Entscheidung, aus der Atomkraft auszusteigen, war ein großer Fehler.

Angela Merkel wurde lange als diejenige europäische Politikerin bewundert, die das beste Gespür für richtige Entscheidungen hatte, eine, die dazu beigetragen hat, daß Deutschland zu Europas Wirtschaftslokomotive wurde. Aber nicht alle Entscheidungen der deutschen Kanzlerin waren makellos. Jetzt, wo die Wirtschaft ihres Landes Anzeichen der Krise aufweist, sollten wir unser Augenmerk auf etwas richten, das wahrscheinlich die schlechteste Entscheidung ihrer achtjährigen Kanzlerschaft war: die Abschaltung der deutschen Atomkraftwerke, die daher bald nichts mehr zur deutschen Energieerzeugung beitragen können.

20141008_100631

Seit Jahrzehnten sind die Deutschen weltweit das Volk, das am umweltbewußtesten lebt. Das deutlichste Zeichen dafür ist das Festhalten mehrerer aufeinanderfolgender Regierungen an etwas, das als „Energiewende“ bezeichnet wird. Die Idee dahinter ist, daß die deutsche Wirtschaft vor allem von erneuerbaren Energiequellen wie Wind oder Solarkraft abhängig sein soll. Heute tragen die Erneuerbaren zu 23 Prozent zur Stromgewinnung bei, eine Zahl, die bis zum Jahr 2035 auf 65 Prozent steigen soll.

Diese Prioritätensetzung belastet die Haushalte und die Unternehmen. Die Kosten der Subventionen, die den Produzenten grüner Energie von der Regierung gewährt werden, werden an die Verbraucher weitergegeben. Die Stromrechnung eines durchschnittlichen deutschen Haushalts ist 48 Prozent höher als der europäische Durchschnitt. Dem deutschen Mittelstand geht es noch schlechter. Ihre Kosten sind das Doppelte im Vergleich zu ihren US-amerikanischen Konkurrenten, von denen viele von billigem Öl profitieren. Jetzt, wo die Wirtschaftsleistung zurückgeht, kann sich das Deutschland schlicht nicht leisten.

Das Einmotten der deutschen Atomkraftwerke wird diese schwierige Situation weiter verschärfen. Frau Merkel entschied sich dazu als Folge des Unfalls in Fukushima im Jahr 2011. Sie gab den Sorgen der Wähler nach und handelnde nicht wohlüberlegt wie sonst, sondern hastig. Das führte zu zwei großen Belastungen für Deutschlands Energiepolitik.

Erstens bedeutet das Abschalten dieser Reaktoren, daß Deutschland mehr Kohle verbrennt, um seinen Energiebedarf zu decken. Da der durch Sonne und Wind erzeugte Strom unzuverlässig ist, war es immer schon klar, daß sich Deutschland auf fossile Brennstoffe als Sicherheit verlassen würde müssen. Indem jetzt die Atomkraft, die zu fast einem Viertel der Stromversorgung beiträgt, abgeschafft wird, folgt ein starker Anstieg des Kohleverbrauchs. Neun neue Kohlekraftwerke werden in Deutschland zwischen 2010 und 2015 eröffnet. Im vergangenen Jahr war der Kohleverbrauch zur Stromgewinnung in Deutschland der höchste seit 1990.

Zweitens führt Deutschlands Anti-Atomkraftpolitik dazu, daß das Land noch abhängiger von russischem Gas wird. Zunehmende Spannungen mit Rußland wegen der Ukraine sorgen dafür, daß diese Lage immer ungemütlicher wird. Wenn Deutschland und seine Verbündeten Wladimir Putins Bestrebungen etwas entgegensetzen wollen, müssen sie dafür sorgen, daß sie nicht mehr so abhängig von russischem Gas sind. Indem die Atomkraft immer weniger Gewicht erhält, macht es Frau Merkel schwieriger, dieses Ziel zu erreichen.

Es ist nicht anzunehmen, daß Deutschland seine Politik diesbezüglich in nächster Zukunft ändert. Obwohl die Grünen nicht Teil der Bundesregierung sind, gibt es im ganzen Land nach wie vor eine große Zustimmung zum Umweltschutz. Die Erinnung an den Unfall in Tschernobyl 1986 spukt immer noch in den Köpfen vieler älterer deutscher Wähler herum. Aber Deutschland muß bei dieser Diskussion eine ehrlichere Rolle einnehmen.

Die Paradoxien der deutschen Energiepolitik können nicht übersehen werden. Dieses Land hat sich zum Ziel gesetzt, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, baut aber gleichzeitig mehr Kohlekraftwerke. Es gibt in Deutschland nicht gerade viel Sonnenschein, dennoch hat sich das Land der Solarkraft als Zukunftstechnologie verschrieben. Es schließt seine gut geführten Atomkraftwerke und verläßt sich auf Atomstromimporte aus dem benachbarten Frankreich.

Frau Merkel ist vielleicht immer noch die mächtigste europäische Politikerin. Im Bereich der Energiepolitik hat sie ihr Land jedoch in ein mächtiges Schlamassel geführt. Sie muß ihren Ansatz überdenken.