{"id":2182,"date":"2021-03-07T17:37:55","date_gmt":"2021-03-07T16:37:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.020965.de\/?p=2182"},"modified":"2021-03-07T17:37:55","modified_gmt":"2021-03-07T16:37:55","slug":"das-neue-carsharing","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.020965.de\/?p=2182","title":{"rendered":"Das neue Carsharing"},"content":{"rendered":"<p>Das CarSharing ist kein Nischenprodukt mehr. Durch die neuen FreeFloater, die es seit zwei Jahren auch in K\u00f6ln gibt, ist das Autoteilen fast schon ein Massenph\u00e4nomen geworden. Aus diesem Anla\u00df f\u00fchrte Rheinschiene Interviews mit den Pressesprechern der drei Anbieter: Tanya Bullmann von cambio, Andreas Leo von Car2Go und Michael Fischer von DriveNow.<br \/>\n<figure id=\"attachment_2187\" aria-describedby=\"caption-attachment-2187\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.020965.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/car2go.jpg\" alt=\"Das neue Carsharing\" width=\"1024\" height=\"768\" class=\"size-full wp-image-2187\" srcset=\"http:\/\/www.020965.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/car2go.jpg 1024w, http:\/\/www.020965.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/car2go-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.020965.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/car2go-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2187\" class=\"wp-caption-text\">car2go-Auto<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Klassisches CarSharing gibt es in K\u00f6ln seit \u00fcber 20 Jahren. Cambio Carsharing, die fr\u00fcher \u201eStattauto&#8220; hie\u00dfen, in den Anfangsjahren sehr eng mit dem VCD verbunden waren und das auch heute noch sind, bieten an Dutzenden Stationen im kompletten Stadtgebiet stationsgebundenes Carsharing an. Das neue CarSharing wird in K\u00f6ln vor allem durch Car2Go und DriveNow symbolisiert. Die kleinen wei\u00df-blauen Smarts von Car2Go und die Minis sowie gelegentlich einen BMW von DriveNow sieht man immer h\u00e4ufiger durch K\u00f6ln fahren. Sie unterscheiden sich von cambio dadurch, da\u00df sie nach Benutzung nicht mehr an eine Station zur\u00fcckgebracht werden m\u00fcssen, sondern innerhalb der Stadt an einer beliebigen Stelle abgestellt werden k\u00f6nnen. Sie haben einen weit h\u00f6heren Zeitpreis, aber meist keinen zus\u00e4tzlichen km-Preis, sind f\u00fcr kurze Einwegfahrten dem klassischen CarSharing daher preislich ebenb\u00fcrtig oder sogar billiger.<\/p>\n<p>CarSharing ist \u201ein&#8220;. Auf der CeBIT 2013 stieg sogar die Bundeskanzlerin testweise in ein CarSharing-Auto, auch wenn sie einr\u00e4umte, das im Alltag nicht zu nutzen &#8211; warum eigentlich nicht? Das Motto war damals die \u201eShareconomy&#8220;, also die Wirtschaft, in der man alles teilt. Das Auto, den Bollerwagen, die Bohrmaschine, und mehr?<\/p>\n<p>Es wurde in den Gespr\u00e4chen, die der Autor dieser Zeilen mit den drei Vertretern f\u00fchrte, \u00fcberdeutlich, da\u00df die technische Entwicklung eine treibende Kraft dieses neuen Ph\u00e4nomens ist. Ohne Smartphones sind Car2Go und DriveNow kaum denkbar. Aber auch cambio profitiert davon, indem Bordcomputer immer h\u00e4ufiger die klassischen Tresore ersetzen und es damit rentabel wird, auch an Standorten mit nur wenigen Autos eine neue Station zu er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Der Mensch ist bequem. Das gilt auch f\u00fcr K\u00f6ln. Wenn das n\u00e4chste Teilauto weiter als 500m entfernt steht, wird er es nicht nutzen. Deshalb baut cambio immer mehr kleinere Stationen, die n\u00e4her an den Nutzern sind, und deshalb sind Car2Go und DriveNow so erfolgreich: wenn man ein Auto vor der Nase hat, steigt man eher ein und kurbelt damit den Umsatz an, als wenn man weit bis zur n\u00e4chsten Station gehen oder radeln mu\u00df.<\/p>\n<p>Die KVB hat eine Kooperation mit allen drei Anbietern &#8211; und zus\u00e4tzlich auch mit Flinkster, der CarSharing-Tochter der Deutschen Bahn. Doch wieso macht die KVB das? Sind Kunden, die mit dem Teilauto fahren, nicht eine Konkurrenz zum \u00d6PNV? Nehmen sie der KVB nicht eher Kunden weg?<\/p>\n<p>Nein, sagt Herr Leo von Car2Go. Die meisten CarSharing-Kunden haben sowieso ein Monatsabo der KVB, daher verlieren die kommunalen Nahverkehrsbetriebe durch die CarSharer keine Einnahmen. Im Gegenteil: wer sein eigenes Auto abschafft, weil es CarSharing gibt, f\u00e4hrt vielleicht sogar h\u00e4ufiger mit dem \u00d6PNV, so das Kalk\u00fcl. Vor allem aber, so Andreas Leo: Car Sharing macht die Mobilit\u00e4t flexibler im Kopf. Man steigt nicht mehr \u201eeinfach ins Auto, weil es eh vor der T\u00fcr steht&#8220;. Man \u00fcberlegt sich jede Fahrt ganz bewu\u00dft, und ist damit ansprechbarer f\u00fcr eine \u00f6kologischere Wahl der Verkehrsmittel.<\/p>\n<p>Verliert das Taxigewerbe an Kundschaft durch die CarSharer? Oberfl\u00e4chlich k\u00f6nnte man das meinen: wer am Hauptbahnhof ankommt, nimmt heute vielleicht eher ein FreeFloating CarSharing-Auto als ein Taxi, wenn es zu einer Zeit ist, zu der die KVB gerade nicht f\u00e4hrt. Das ist preiswerter und auch \u00f6kologischer, weil die R\u00fcckfahrt ja entf\u00e4llt. Andererseits gewinnt das Taxigewerbe auch an Kundschaft: wenn man mit dem CarSharing-Auto zur abendlichen Party fahren kann, f\u00e4hrt man dann alkoholisiert mit dem Taxi zur\u00fcck. G\u00e4be es kein Car2Go und kein DriveNow, w\u00e4re man vielleicht beide Wege mit dem eigenen Auto gefahren und h\u00e4tte auf Alkohol verzichten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Keiner der drei Anbieter sieht eine Konkurrenz durch Uber auf sich zukommen, sollte dieser neue Dienst in Deutschland doch legalisiert werden. Das erscheint mir jedoch wie Augenwischerei. Nat\u00fcrlich ist Uber derzeit noch illegal. Aber wenn sich das \u00e4ndert, wird sich der Mobilit\u00e4tsmarkt in gro\u00dfen St\u00e4dten, also auch in K\u00f6ln, radikal \u00e4ndern. Darauf sind die alteingesessenen Anbieter in keinster Weise vorbereitet.<br \/>\n<figure id=\"attachment_2186\" aria-describedby=\"caption-attachment-2186\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.020965.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/drivenow.jpg\" alt=\"Das neue Carsharing\" width=\"1024\" height=\"768\" class=\"size-full wp-image-2186\" srcset=\"http:\/\/www.020965.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/drivenow.jpg 1024w, http:\/\/www.020965.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/drivenow-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.020965.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/drivenow-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2186\" class=\"wp-caption-text\">drive-now Auto<\/figcaption><\/figure><br \/>\nDer soziale Hintergrund von cambio einerseits und Car2Go und DriveNow andererseits ist ein v\u00f6llig unterschiedlicher. W\u00e4hrend cambio der Umweltbewegung entstammt und stolz darauf ist, da\u00df ein Teilauto bis zu 11 Privat-Pkw ersetzt, sind die beiden FreeFloater in K\u00f6ln vielleicht sogar eine \u201eEinstiegsdroge&#8220; f\u00fcr junge Erwachsene, die sich noch kein eigenes Auto leisten k\u00f6nnen, aber \u00fcber CarSharing jetzt doch in den \u201eGenu\u00df&#8220; des MIV kommen. So w\u00fcrde kein Student mit dem Taxi zur Uni fahren, weil er dann als Snob erscheint. Eine Fahrt mit dem Free-Floater-CarSharing Auto zur n\u00e4chsten Vorlesung gilt derzeit jedoch unter Kommilitonen als \u201ecool&#8220;, obwohl es kaum preiswerter als das Taxi ist. Die Nutzer von cambio sind daher im Schnitt auch \u00fcber 10 Jahre \u00e4lter als diejenigen der beiden Neulinge.<\/p>\n<p>Entsprechend sind die Nutzerzahlen. DriveNow hat knapp 400.000 Kunden in Deutschland, fast identisch mit Car2Go. Etwa 70% dieser Kunden sind aktive Nutzer, die anderen sind Karteileichen. Da es beim FreeFloating Carsharing, im Unterschied zu cambio, keine monatliche Grundgeb\u00fchr gibt, w\u00e4chst die Nutzerzahl naturgem\u00e4\u00df viel schneller, ja, sie explodiert geradezu. Andererseits steigt dadurch die Wahrnehmung von CarSharing im \u00f6ffentlichen Raum, wovon indirekt auch cambio wieder profitiert.<\/p>\n<p>Sowohl Car2Go (Start mit einem Pilotprojekt vor 7 Jahren in Ulm) als auch DriveNow (Start 2011 in M\u00fcnchen) liegen mit ihren Nutzerzahlen weit \u00fcber Plan. Beide sind derzeit auch fast schon im Bereich der Gewinnschwelle, d.h. die Phase der Anfangsverluste ist \u00fcberwunden. Die Strategie der beiden FreeFloater unterscheidet sich jedoch. W\u00e4hrend DriveNow nur auf absolute Gro\u00dfst\u00e4dte fokussiert ist, und D\u00fcsseldorf nur wegen der N\u00e4he zu K\u00f6ln und dem Test \u201est\u00e4dte\u00fcbergreifendes CarSharing&#8220; im Programm ist, experimentiert Car2Go auch mit kleineren St\u00e4dten wie Stuttgart und Frankfurt, ja sogar mit Bonn und Leverkusen, sowie verst\u00e4rkt mit St\u00e4dten im Ausland (Rom, Mailand, Wien, Kopenhagen etc).<br \/>\n<figure id=\"attachment_2185\" aria-describedby=\"caption-attachment-2185\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.020965.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/cambio.jpg\" alt=\"Das neue Carsharing\" width=\"1024\" height=\"768\" class=\"size-full wp-image-2185\" srcset=\"http:\/\/www.020965.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/cambio.jpg 1024w, http:\/\/www.020965.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/cambio-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.020965.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/cambio-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2185\" class=\"wp-caption-text\">cambio-Auto<\/figcaption><\/figure><br \/>\nEine starke Beschr\u00e4nkung ist f\u00fcr cambio die Tatsache, da\u00df nur 10% aller Fahrzeuge im \u00f6ffentlichen Raum, also auf oberirdischen Parkpl\u00e4tzen, die nicht in Privatbesitz sind, stehen d\u00fcrfen. Da Car2Go und DriveNow entsprechende Vereinbarungen mit den St\u00e4dten geschlossen haben, die ein freies Parken auf \u00f6ffentlichen Parkpl\u00e4tzen erlauben, unterliegen sie diesen Beschr\u00e4nkungen nicht. Sie zahlen daf\u00fcr aber auch mehr Geld in die klammen kommunalen Kassen.<\/p>\n<p>Fazit: Es ist zu begr\u00fc\u00dfen, da\u00df durch die neue Konkurrenz Bewegung in den CarSharing Markt kommt, der in K\u00f6ln von Stattauto vor vielen Jahren begr\u00fcndet wurde. Dadurch steigt das Bewu\u00dftsein der Menschen daf\u00fcr, da\u00df es eine Alternative zum eigenen Auto gibt. Wenn das in die richtigen Bahnen gelenkt wird, kann der Umweltverbund in K\u00f6ln und Umgebung dadurch gest\u00e4rkt werden.<\/p>\n<p>zuerst ver\u00f6ffentlicht in <a href=\"http:\/\/www.rhein-schiene.de\/\" class=\"broken_link\">RheinSchiene 54, Winter 2014\/15, Seite 38\/39<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das CarSharing ist kein Nischenprodukt mehr. 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