{"id":2047,"date":"2020-07-12T19:19:42","date_gmt":"2020-07-12T18:19:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.020965.de\/?p=2047"},"modified":"2020-07-12T19:37:12","modified_gmt":"2020-07-12T18:37:12","slug":"klimawandel-verspaetete-kuehle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.020965.de\/?p=2047","title":{"rendered":"Klimawandel: Versp\u00e4tete K\u00fchle"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"MsoNormal\"><em>Emissionen, die heute reduziert werden, zeigen erst Mitte des Jahrhunderts Wirkung<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal\">Ein Gro\u00dfteil der internationalen Anstrengungen, den Klimawandel zu bek\u00e4mpfen, haben sich darauf konzentriert, die Emissionen von Stoffen, die zur Erderw\u00e4rmung beitragen, zu reduzieren, und hier vor allem Kohlendioxid. Das ist nat\u00fcrlich eine rationale Vorgehensweise. Die weltweite Durchschnittstemperatur liegt heute etwa 1,1\u00b0C \u00fcber der in vorindustrieller Zeit, und CO2 ist der Hauptschuldige. Dieser Stoff, und andere Klimagase entstehen, wenn fossile Treibstoffe verbrannt werden, um Energie zu erzeugen, Maschinen zu betreiben, Stahl und Zement herzustellen, in der Landwirtschaft und durch Abholzung von W\u00e4ldern. Langfristig ist die Vermeidung dieser Emissionen die einzige nachhaltige L\u00f6sung, um die ansonsten unaufhaltsame Erw\u00e4rmung der Erde aufzuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal\">Aber die Emissionen dieser Klimagase f\u00fchren nicht sofort zu einem Anstieg globaler Temperaturen, und deren Reduzierung f\u00fchrt auch nicht zu sofortiger Abk\u00fchlung. Stattdessen dauert es Jahrzehnte, bis die Bem\u00fchungen der Politik von heute zu messbaren Auswirkungen auf die globale Temperatur f\u00fchren \u2013 wie es eine Studie beschreit, die in dieser Woche in Nature Communications ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41467-020-17001-1<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal\">Unter Verwendung von Klimamodellen untersuchten Bj\u00f6rn Samset und seine Kollegen am Norwegischen Zentrum f\u00fcr Internationale Klimaforschung hypothetische Zukunftsszenarien, bei denen die Emissionen von neun unterschiedlichen industriellen Verschmutzern, einschlie\u00dflich Kohlendioxid und Methan, entweder sofort gestoppt oder mit einer Rate von 5% pro Jahr gegen Null reduziert wurden, angefangen im Jahr 2020. Um die jeweiligen Effekte isoliert zu betrachten, wurde jede Chemikalie einzeln entfernt, w\u00e4hrend die anderen sich weiterentwickeln, wie sie es grob tun w\u00fcrden, wenn sich die Regierungen an ihre derzeitigen Klimaselbstverpflichtungen halten. Das Experiment hat also untersucht, wie schnell zus\u00e4tzliche Bem\u00fchungen, wie sie von der Pariser Klimavereinbarung eingefordert werden, sich bei der Geschwindigkeit der Erderw\u00e4rmung bemerkbar machen w\u00fcrden.<br \/><br \/>Diese Simulationen wurden vielfach wiederholt, um statistisch relevante Ergebnisse zu erhalten. Das f\u00fchrt dazu, da\u00df eine Reduzierung von CO2-Emissionen die Erderw\u00e4rmung schon ab 2033 abmildern k\u00f6nnte, aber nur, wenn sie weltweit im Jahr 2020 beendet w\u00fcrden. Das w\u00fcrde letztlich eine Abschaffung von 80% der Energiequellen weltweit bedeuten, einschlie\u00dflich der Schlie\u00dfung aller mit fossilen Brennstoffen betriebenen Kraftwerke, \u00fcber Nacht \u2013 was eindeutig kein realistisches oder w\u00fcnschenswertes Szenario ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal\">Die Verminderung von CO2 mit 5% pro Jahr, angefangen dieses Jahr, w\u00fcrde eine statistisch signifikante Abweichung von den Temperaturen, die sonst aufgetreten w\u00e4ren, erst ab dem Jahr 2044 bewirken. Auch dieses Tempo der CO2-Reduzierung ist jedoch eine Herausforderung, etwa gleichartig der Reduzierung um 4-7%, die f\u00fcr dieses Jahr aufgrund der Covid-19 Pandemie und verbreiteter wirtschaftlicher Schlie\u00dfungen gesch\u00e4tzt wird. Vor diesem Ereignis stiegen die j\u00e4hrlichen Emissionen stets an. Ohne gemeinsame Bem\u00fchungen der Regierungen werden sie wahrscheinlich wieder ansteigen, wenn die Wirtschaft der verschiedenen L\u00e4nder wieder anspringt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal\">Ein Grund f\u00fcr die versp\u00e4teten Auswirkungen der Reduzierung von Emissionen ist die nat\u00fcrlich Wechselhaftigkeit des Klimas. Ob es in einem Jahr w\u00e4rmer oder k\u00e4lter als im Vorjahr ist, liegt nicht nur an den Klimagasen. Gro\u00dfe nat\u00fcrliche Klimaeffekte spielen auch eine Rolle (El Ni\u00f1o und La Ni\u00f1a sind wohl die bekanntesten Beispiele), welche die Erde zyklisch um einige Zehntel Grad erw\u00e4rmen oder abk\u00fchlen. Abh\u00e4ngig von deren Phase wird die durch Klimagase bewirkte Erw\u00e4rmung durch diese nat\u00fcrlichen Effekte entweder verdeckt oder verst\u00e4rkt. W\u00e4hrend die Emissionen anfangen, zur\u00fcckzugehen, wird die nat\u00fcrliche Variabilit\u00e4t die daraus resultierende Verringerung der Erderw\u00e4rmung ebenfalls verdecken. Die Modelle von Dr Samset haben das ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal\">Au\u00dferdem ist \u00fcber 90% der Energie, die durch die Emission von Klimagasen im letzten halben Jahrhundert auf der Erde zur\u00fcckgehalten wurde, im Meer aufbewahrt und wird nur langsam als W\u00e4rme in die Atmosph\u00e4re entlassen. Selbst wenn alle Emissionen morgen beendet w\u00fcrden, f\u00fchrt dieser Prozess noch jahrelang zu einer Erw\u00e4rmung der dar\u00fcberliegenden Luft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal\">Der Hauptgrund f\u00fcr die Verz\u00f6gerung ist jedoch, da\u00df das heute emittierte Kohlendioxid Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte in der Atmosph\u00e4re bleiben wird, bevor es von Pflanzen oder den Weltmeeren wieder absorbiert wird. Das gilt nicht f\u00fcr andere Emissionen der Industrie. Jedes Molek\u00fcl Methan erw\u00e4rmt die Erde 84 bis 87 mal so viel, im Durchschnitt von 20 Jahren, wie Kohlendioxid, aber es bleibt nur einige Jahre vorhanden, nicht f\u00fcr viele Jahrzehnte oder Jahrhunderte. Das hat dazu gef\u00fchrt, da\u00df Rufe nach einer sofortigen Aktion zur Beendigung von Methanemissionen laut wurden, etwa durch die Reparatur von undichten Gasleitungen, und die Reduzierung von Emissionen durch die Landwirtschaft. Aber selbst dann legt die Arbeit von Dr Samset nahe, da\u00df die Vermeidung aller Quellen der Verschmutzung durch Methan im Jahr 2020 die Trends zur Erderw\u00e4rmung nicht vor 2039 beeinflussen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal\"><strong>Den Druck hochhalten<\/strong><br \/>Es ist tragisch, da\u00df ein Verschmutzer, der am ehesten einen direkten Einflu\u00df haben k\u00f6nnte, einer ist, der die Welt derzeit k\u00fchlt. Schwefeloxide sind ein Nebenprodukt der Verbrennung einiger fossiler Brennstoffe, wie etwa Kohle und schmutzigem gelagertem Treibstoff, und es gibt Bem\u00fchungen, sie zu vermeiden, indem die Emissionen der Schiffahrt und st\u00e4dtischer Luftverschmutzung angegangen werden. In der Atmosph\u00e4re reflektieren sie einen Teil der Sonnenstrahlen zur\u00fcck in den Weltraum, was eine k\u00fchlende Wirkung hat. Weil sie durch den Regen innerhalb weniger Tage nach ihrer Emission wieder zur\u00fcck auf die Erde gelangen, k\u00f6nnte ihre Vermeidung die Erw\u00e4rmung zum Ende dieses Jahrzehnts erh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal\">Trotz alledem ist die Verringerung von Emissionen unabdingbar, wenn das Weltklima stabil bleiben soll und die einzige M\u00f6glichkeit, die Ziele der Pariser Vereinbarung, die Erderw\u00e4rmung auf 1,5 \u2013 2\u00b0C zu begrenzen, zu erreichen. Aber Dr Samset ist der Meinung, da\u00df die Temperatur nicht die beste Messlatte sein k\u00f6nnte, um die Effektivit\u00e4t von klimawirksamen Aktionen zu erfassen, zumindest nicht bis zu den 2040er Jahren. Stattdessen k\u00f6nnte eine direkte Messung der Konzentration klimawirksamer Gase in der Atmosph\u00e4re besser sein, da dieses den verwirrenden Einflu\u00df nat\u00fcrlicher Variabilit\u00e4t entfernt. Und ohne eine kluge Vermittlung k\u00f6nnte es einen \u00f6ffentlichen Aufschrei gegen scheinbar unwirksame Politik geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal\">Es ist jedoch grundlegend, da\u00df solche Forschungsergebnisse betonen, trotz der beginnenden Dekarbonisierung der L\u00e4nder der Welt, die Regierungen und die Gesellschaften ihre Bem\u00fchungen, sich an die unabwendbare kommende Erw\u00e4rmung anzupassen, drastisch verst\u00e4rken m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Quelle: The Economist, London. 11. Juli 2020. Eigene \u00dcbersetzung ins Deutsche <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Emissionen, die heute reduziert werden, zeigen erst Mitte des Jahrhunderts Wirkung Ein Gro\u00dfteil der internationalen Anstrengungen, den Klimawandel zu bek\u00e4mpfen, haben sich darauf konzentriert, die Emissionen von Stoffen, die zur Erderw\u00e4rmung beitragen, zu reduzieren, und hier vor allem Kohlendioxid. Das ist nat\u00fcrlich eine rationale Vorgehensweise. 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